Thälmann-Park                             
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Der Thälmann-Park nach der Wiedervereinigung

Vom Denkmalstreit zum Denkmalschutz

Beitrag zum Wettbewerb „Künstlerische Kommentierung des Ernst-Thälmann-Denkmals“.
Zweiter 2. Preis: „Ernst Thälmann – Ein deutscher Superstar. Die neue Ikone des Westens“ der Berliner Künstlergruppe Nico Krug und Mario Matuschewski.

Entry for the competition regarding the artistic commentary of the Ernst Thälmann monument. The second 2nd prize went to the Berlin artists group Nico Krug and Mario Matuschewski who name Ernst Thälmann ”a German super hero“ and ”the new icon of the West“.

Erläuterungen von Nico Krug und Mario Matuschewski:

Entwurfskonzept
 
Nüchtern betrachtet begann die Geschichte der Kette in der Bronzezeit als Schmuckgegenstand sowie zur Fesselung von Kriegsgefangenen, späteren Sklaven oder Verbrechern um Hals, Fuß- und Handgelenke. (in-Ketten-Legen) Gleichzeitig hat das „Ketten“-Symbol einen Star-Effekt.
 
Die Form der Kette ist entscheidend. Das Material ebenfalls. Die hier gewählte Rapper-Kette beamt Kaptain Ernst-Thälmann in die Neuzeit. Oberflächlich betrachtet wir er zu einer unpolitischen neuen Ikone, zu einem Star der heutigen Generation. Die Rapperkette führt dazu, dass sich die heutige Generation mit dem historischen Kontext auseinandersetzen wir. Das war die Aufgabe. Auf Auf … !!
 
Das anfängliche Schmunzeln beim Betrachten der Kette verändert sich nach kurzer Zeit in eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der historischen Vergangenheit.
 
Links und rechts neben dem neuen Star beamen sich, wie auf dem Holodeck der Enterprise, die Umrisse der entfernten, vergessenen und den Raum markierenden Bronzestelen auf den Platz. Die transformierten Stelen, in der Kubatur historisch, die Oberfläche mit einem übergroßen, mittig platzierten QR-Code belegt, eröffnen eine unendliche Welt des Internets, der Wissensgalaxy.

Beginnend mit den Umbrüchen der Jahre 1989/90 gab es überall in der DDR heftige öffentliche Auseinandersetzungen zum Umgang mit dem baulichen Erbe des Sozialismus, insbesondere mit großen, den Stadtraum prägenden Denkmälern wie dem Thälmann-Monument.

Auf Empfehlung einer Kommission beschlossen das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung von Prenzlauer Berg 1993 den Abriss des ideologisch belasteten Thälmann-Denkmals und damit dessen Herauslösung aus dem Kontext des Parkensembles. Zum Abriss kam es letztlich nicht. Stattdessen fielen sowohl die Debatten als auch weite Teile der Siedlung in eine Art Dornröschenschlaf.

Erst mit steigendem Interesse an möglichen Bauflächen seit den 2000er Jahren und Befürchtungen vor Verdrängung, Mietsteigerung und Verlust von Grünflächen geriet die Siedlung wieder ins Blickfeld städtischer Akteure. Dabei wird sie mittlerweile nicht mehr als Prestige- oder Denkmalprojekt, sondern vor allem als Wohngebiet und Erholungspark wahrgenommen. Die Identifikation der Be- und Anwohner*innen beruht heute auf den gewachsenen Strukturen und den Vorteilen, die das Leben in diesem innerstädtischen Areal bezüglich Erholung, Infrastruktur und Versorgung bis heute bietet.

Spätestens seit der Eintragung in die Berliner Denkmalliste 2014 wird der Thälmann-Park wieder als konzeptionelles und bauliches Gesamtensemble und vielschichtiges Erbe der DDR-Geschichte wahrgenommen. Gerade wegen seiner einstigen Rolle als identitätsstiftendes Städtebau- und Denkmalprojekt wird es heute als einzigartig und erhaltenswert erachtet.

Aktuell steht das Thälmann-Denkmal wieder im Fokus. Mit dem Ziel einer kritischen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart des Denkmals hat der Bezirk Pankow (zu dem Prenzlauer Berg seit 2001 gehört) im Sommer 2019 einen Wettbewerb zur künstlerischen Kommentierung des Denkmals ausgelobt. Ergebnis soll eine Kommentierung sein, die Fragen aufwirft, irritiert und zur Diskussion anregt. Zugleich werden eine Belebung des Ortes und eine historische Einordnung sowie ein Erlebbarmachen des Monuments, des Platzraumes und des städtischen Kontextes angestrebt.

Aus 110 eingereichten Entwürfen wurden im September 2020 zwei mit zweiten Preisen und zwei durch Anerkennungen gewürdigt und für einen der beiden Favoriten eine Realisierungsempfehlung ausgesprochen.

Kapitel der Ausstellung

Beitrag zum Wettbewerb „Künstlerische Kommentierung des Ernst-Thälmann-Denkmals“.
Erster 2. Preis und Empfehlung zur Realisierung: „Vom Sockel denken“ der Berliner Künstlerin Betina Kuntzsch unter Mitarbeit von Kathrin Schmidt, Joachim Gies und Maria Wischnewski.

Entry for the competition regarding the artistic commentary of the Ernst Thälmann monument.
First 2nd prize, recommended for realization: ”thinking of the socle“ of Berlin artist Betina Kuntzsch, assisted by Kathrin Schmidt, Joachim Gies and Maria Wischnewski.

Erläuterungen von Betina Kuntzsch:

Hauptbestandteil dieses Entwurfes sind zehn essayistische Kurzfilme. In diesen collagiert die Künstlerin Archivmaterial mit eigenen Fotos, Filmaufnahmen und animierten Zeichnungen. So untersuchst die verschiedene Perspektiven auf das Denkmal, den Ort und die Menschen.
 
Die Filme sind von fünf roten Sockeln, die auf dem Platz um das Denkmal angeordnet sind und den Proportionen des Denkmalsockels entsprechen, per QR-Code abrufbar.

From monument dispute to monument protection
Thälmann-Park after the reunification

Beginning with the turmoil in 1989–90, there were intense public disputes allover the GDR as regards the treatment of the architectural heritage of the socialist time, especially concerning large monuments which dominated the urban space, such as the Thälmann monument.

As had been recommended by a commission, the district office and the district assembly of Prenzlauer Berg decided in 1993 to tear down the ideologically strained Thälmann memorial, which meant to remove it from the context of the park ensemble. Eventually there was no demolition. Instead both the debates and broad parts of the settlement fell into a deep slumber. Only when interest rose in possible building lands since the early 2000s and when fears came up concerning ouster, rent increase, and the loss of green spaces, did the settlement come to the fore of urban players. Meanwhile it is no longer regarded as a prestige or a monument project but most of all as a housing area and recreation park. Inhabitants and locals identify with it due to structures and the advantages, which living in this inner-city area offers in terms of recreation, infrastructure, and supply.

At the latest when Thälmann-Park was enlisted into the Berlin heritage list in 2014, it is again perceived as as a conceptual and architectural entire ensemble and a multilayered legacy. Just because of its former role as an identity-creating urban development and monument project it is today considered as unique and worth preserving.

Currently the Thälmann monument is on the focus again. Aiming at critically discussing the history and present of the memorial, Pankow district (which Prenzlauer Berg belongs to since 2001) announced a competition in summer 2019 for its artistic commentary. The result is supposed to be a commentation, which raises questions, irritates, and encourages discussions. At the same time, the plan is to revive the location and historically to contextualize it as well as to make the monument, the area, and the urban context tangible.From 110 submitted entries two were awarded second prizes in September 2020 and two received acknowledgement prizes. One of the favourites was recommended to be realized.