Thälmann-Park                             
  Virtuelle Ausstellung                                                  
MENU

Gasometer sprengt man nicht!

Kreative Formulierungen des Widerspruchs in Form von Bannern, Flyern, Collagen, Postkarten oder Aufklebern waren in den Wochen rund um die Sprengung überall im Bezirk Prenzlauer Berg zu finden.
(Museum Pankow – Archiv/Aktensammlung)

Creative expressions of protest such as banners, leaflets, collages, postcards, or stickers could be found everywhere in Prenzlauer Berg district during the weeks of the demolition.
(Museum Pankow, Archives / Collection of Files)

In der Lagestudie von 1978 war noch die Nachnutzung der drei Gasometer für Kultur- und Freizeitangebote (u.a. ein Planetarium, ein Theater und eine Badelandschaft) vorgesehen. Diese Ideen wurden schon in den folgenden Monaten verworfen. Die Absicht, die markanten Gebäude zu erhalten, wurde dagegen noch bis in den Herbst 1983 kommuniziert.

Der Beschluss zum Abriss fiel Ende 1983 oder Anfang 1984. Dafür waren mehrere Gründe ausschlaggebend. Die Vermutung, dass Lew Kerbel die Wirkung seines Denkmals durch die Bauten im Hintergrund geschmälert sah und persönlich auf deren Abriss bestand, ist nicht belegt. Wichtig war hingegen sicherlich die Befürchtung, die unsanierten Gasbehälter würden die Optik der neuen, modernen Wohnbauten stören. Aus diesem Grund setzte man auf eine zeitnahe, umfassende Neugestaltung des Geländes. Bis zum Stadtjubiläum im Jahr 1987 sollte die Umgestaltung des gesamten Areals abgeschlossen sein.

Die Entscheidung zum Abriss wurde möglicherweise auf höchster politischer Ebene getroffen. In die Öffentlichkeit drangen darüber so gut wie keine Informationen. Daraufhin kam es zu heftigem, vielfältigem Widerspruch in der Bevölkerung. Menschen aus den unterschiedlichsten Milieus protestierten ungewöhnlich offen in Form von Postkarten, Flugblättern, Plakaten, Aufklebern und Spruchbändern. Vielfach wurde außerdem von Protestschreiben an Mitglieder der Staats- und Parteiführung Gebrauch gemacht.

Mit enormem Aufwand wurde von Polizei und Staatssicherheit versucht, die Aktionen zu unterbinden. Allein das Fotografieren im Umfeld des Gaswerksgeländes wurde mit Kontrollen oder Festnahmen sanktioniert. Mit kriminaltechnischen Methoden versuchte man, die Urheber*innen der Protestaktionen ausfindig zu machen. Für einige Ermittelte hatte das zum Teil drastische Folgen.

Entgegen aller Proteste wurden die Gasometer am 28. Juli 1984 gesprengt. Damit waren für die weitere Ausgestaltung von Denkmal und Wohnbauten, aber auch für den späteren, zweiten Bauabschnitt des Planetariums, vollendete Tatsachen geschaffen.

Kapitel der Ausstellung


Sprengung der drei Gasometer am 28. Juli 1984.
(Fotos: Museum Pankow – Archiv/Fotosammlung)

Demolition of the three gasometers, 28 July 1984.
(Photographs: Museum Pankow, Archives / Photo Collection)

One does not blow gasometers!

The location study from 1978 still included the re-use of the three gasometers for cultural and leisure offers, for example as a planetarium, a theatre, and baths. These ideas were already overruled in the following months. Whereas it was communicated until the autumn of 1983 that the striking buildings would be preserved.

The decision to tear them down was made in the end of 1983 or beginning of 1984. For this there was more than one decisive reason. The supposition that Lev Kerbel worried for the impact of his monument due to the buildings in the background and that he personally insisted on their distruction is unproven. What was certainly important was the fear that the unrenovated gas holders would disturb the look of the new, modern residential houses. For that reason a soon, thorough redevelopment of the grounds was favoured. Until the city‘s jubilee in 1987 the transformation of the area was to be completed.

Maybe the demolition was decided on the highest political level. The public received almost no information on that matter. Subsequently strong and multilayered opposition in the population aroused. People from highly diverse milieus protested in an uncommonly open way in the form of postcards, leaflets, posters, stickers, and banners. Furthermore, several letters of protest were sent to members of the state and party leadership.

With enormous efforts police and state security tried to stop the actions. Taking photographs near the gaswork grounds could already be sanctioned with controls and arrests. Using criminological methods, attempts were made to find the initiators of the protest campaigns. For some who were identified this caused severe consequences.

Despite all protests the gasometers were blown on 28 July 1984. Thus, for the further arrangement of the monument and the residential buildings but also for the later second construction phase of the planetarium accomplished facts had been created.